Kreisgruppe Brandenburg / Havel
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Stammtisch am 26.3., Bürgerhaushalt, Kiezblocks, Schulstraßen, Kindertransport im Lastenrad, Terminvorschau
Liebe VCD-Aktive und -Interessierte,
die Zeit vergeht so schnell, das "Kleine Verkehrsforum" im März war schon letzte Woche, aber als Erinnerung für den ADFC-VCD-Stammtisch am Dienstag kommt dieser Newsletter noch rechtzeitig. Ganz unten gibt es dann auch noch eine Terminvorschau.
Am Dienstag, den 26.03. treffen wir uns zum ADFC-VCD-Stammtisch ab 18 Uhr im Büro der Denkmanufaktur e.V. in der Bollmannpassage (Hauptstraße 21, gegenüber der Einmündung der Kurstraße). Wir laden dazu ein, sich zu Verkehrsthemen in der Stadt und darüber hinaus auszutauschen. Wir berichten über unsere Aktivitäten, diskutieren Neuigkeiten aus der Stadtpolitik und reden darüber, wie wir unsere Stadt lebendiger und menschenfreundlicher gestalten können.
Mit dem jüngst durch die SVV beschlossenen Bürgerhaushalt 2024 gibt es jetzt die Möglichkeit, Ideen für unsere Stadt über ein kurzes Formular einzureichen. Es genügt eine kurze Beschreibung der Projektidee (maximal 1000 Zeichen) und eine grobe Einschätzung der Kosten, die maximal 25.000€ pro Projektidee betragen sollen. Insgesamt sind 150.000€ für Projekte aus der Bürgerschaft vorgesehen. Die eingereichten Vorschläge werden durch die Stadtverwaltung geprüft und dann in der Stadtverordnetenversammlung im Mai zur Abstimmung vorgelegt. Jede*r Stadtverordnete*r kann für bis zu fünf Projekte stimmen, und die Vorschläge mit den meisten Stimmen bis zur Ausschöpfung des Gesamtbudgets werden von der Verwaltung umgesetzt. Einsendeschluss ist der 31.03. - wer Ideen hat und diese mit uns diskutieren möchte, möge sich gerne melden oder zum Stammtisch kommen! Direkter Link zum Formular:
Weitere Informationen und eine Liste von auf die Altstadt bezogene Ideen gibt es unter
https://www.altstadtleben-brandenburg.de/home/ -> Neuigkeiten -> 8.3. Bürgerhaushalt
Es gibt noch weitere Möglichkeiten, sich für eine menschenfreundlichere Stadt einzusetzen:
Das Konzept der Superblocks - oder, wie sie in Berlin genannt werden, Kiezblocks - wird meist für Großstädte diskutiert, ist aber auch in kleineren Städte wie Brandenburg an der Havel anwendbar. Ein Kiez- oder Superbock ist ein städtisches Quartier ohne KFZ-Durchgangsverkehr. Die Straßen im Quartier sind in erster Linie für den Fuß-, den Rad- und den öffentlichen Verkehr ausgelegt, der schnelle KFZ-Verkehr wird auf Umgehungs- und Hauptverkehrsstraßen konzentriert. Die Häuser sind auch weiterhin mit dem Auto erreichbar, aber das Auto ist im Quartier nur zu Gast. Rettungsfahrzeuge, Müllabfuhr, Lieferfahrzeuge etc. können natürlich ebenfalls überall hin. Die Vorteile sind vielfältig: weniger Lärm und Abgase, die Straßen werden wieder zu einem Lebensraum für alle, und die Unfallgefahr, insbesondere für Kinder, reduziert sich deutlich.
Der Verein "changing cities" unterstützt und koordiniert 70 Kiezblock-Initiativen in Berlin und bietet jetzt im Rahmen eines neuen Projektes an, auch Initiativen in kleineren Städten finanziell und organisatorisch zu unterstützen. Wer hat Lust, Zeit und Energie, sich für einen Kiezblock in seinem Quartier einzusetzen? Bitte meldet euch bei gero.walter@
vcd-brandenburg.de. Wir und changing cities unterstützen euch umfassend dabei, eine Initiative zu gründen und eine öffentliche Diskussion darüber anzuschieben, wie die Straßen in eurem Quartier besser gestaltet und genutzt werden können.
Wie wir am Beispiel der noch immer nicht angegangenen Reduzierung des Durchgangsverkehrs in der Altstadt durch Plauer Straße, Altstädtischer Markt, Parduin, Rathenower Straße und Mühlentorstraße sehen, braucht es Unterstützung aus der Zivilgesellschaft, damit Politik und Verwaltung eine solche Umgestaltung des Straßenraumes angehen.
Informationen zu Kiezblocks:
https://changing-cities.org/kampagnen/kiezblocks/
Wo es hingegen tatsächlich geklappt hat mit einer ersten Veränderung hin zu mehr Verkehrssicherheit, ist die Bergstraße. Dort gilt seit kurzem für den KFZ-Verkehr eine Einbahnstraßen-Regelung, mit dem Auto kann nur noch vom Rosenhag zur Willi-Sänger-Straße gefahren werden und nicht mehr in Gegenrichtung. (Für den Radverkehr sind weiterhin beide Richtungen erlaubt.) Dadurch war es möglich, an der schmalsten Stelle im Bereich der Verschwenkung am Marien-Krankenhaus die Sicherheit für den Fußverkehr entscheidend zu verbessern - zuvor fehlte dort, direkt neben dem Zugang zu einer Kita, ein richtiger Gehweg. Aus meiner Sicht ist diese Verbesserung nur möglich geworden, weil sich die Elternschaft der Kita ausdauernd für die Entschärfung dieser Gefahrenstelle eingesetzt hat.
Ihr kennt sicher viele andere Stellen in der Stadt, wo die Sicherheit der Kinder auf dem Weg zu Schule und Kita genauso Vorrang haben sollte vor der Bequemlichkeit der Autofahrer oder, wie es im Behördendeutsch heißt, der Leichtigkeit des KFZ-Verkehrs. Bundesweit geraten hierzu gerade Dinge in Bewegung: in Nordrhein-Westfalen gibt es jetzt eine Klarstellung der Landesbehörden, wie sogenannte Schulstraßen eingerichtet werden können, und wir erwarten, das weitere Bundesländer nachziehen.
Schulstraßen sind Straßenabschnitte rund um Schulen (oder Kitas), die entweder zu Schulbeginn (Wiener Modell) oder dauerhaft (Pariser Modell) als Schutzraum für Kinder eröffnet werden. Damit alle Kinder, auch diejenigen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, sicher und ungestört zur Schule kommen können und nicht durch wild rangierende Elterntaxis gefährdet werden, sind diese Straßen temporär (Wiener Modell) bzw. dauerhaft (Pariser Modell) für den KFZ-Verkehr gesperrt. Eine begleitende Studie in Wien kam zu dem Ergebnis, dass durch die Schulstraße mehr Kinder zu Fuß oder mit dem Rad zur Schule kommen, und dadurch der Autoverkehr nicht nur vor der Schule, sondern auch in den umliegenden Straßen sinkt.
VCD, changing cities, das Deutsche Kinderhilfswerk und das Aktionsbündnis "Kinder aufs Rad" kämpfen schon seit langer Zeit für dieses Konzept, das europaweit schon gut erprobt ist (es gibt z.B. in Belgien über 170 Schulstraßen). Durch ein eigens beauftragtes Rechtsgutachten wurde geklärt, dass Kommunen auch im aktuellen Rechtsrahmen temporäre oder dauerhafte Schulstraßen einrichten können. Eltern, die vor der Kita bzw. Schule ihrer Kinder eine Schulstraße anstoßen wollen, finden in den folgenden Links mehrere Anleitungen. Wir vom VCD und ADFC helfen gerne!
https://www.strasse-zurueckerobern.de/anleitungen/mit-schulstrassen-sicher-unterwegs-so-gehts/
https://kinderaufsrad.org/aktiv-werden/schulstrassen/
https://changing-cities.org/kampagnen/schulstrassen/
Weitere Informationen:
https://www.vcd.org/artikel/schulstrassen-mehr-sicherheit-und-selbstbestimmte-mobilitaet-fuer-kinder
Vielleicht habt auch ihr Meldungen gesehen und gelesen, in denen die Sicherheit des Kindertransports in Lastenrädern kritisch gesehen wird. Diese Berichte basieren vermutlich alle auf einer Pressemitteilung der UDV, der Unfallforschung der Versicherer, die diese am 21.03. zu einer neuen eigenen Studie veröffentlicht hat.
Eine zentrale Aussage dieser Studie wird in der Pressemitteilung über dieses Zitat der UDV-Leiterin Kirstin Zeidler transportiert:
„Der häufigste Unfall bei Lastenfahrrädern ist der Alleinunfall, also ohne Beteiligung Dritter. Sicherer könnten Lastenfahrräder sein, wenn sie über Neigetechnik verfügten sowie Sitze mit Kopfschutz, wirksame Gurte und eine Sicherheitszelle als Aufprallschutz hätten“, so Zeidler.
Für diese Aussage, dass Lastenräder mit Kindern als Passagier vor allem Alleinunfälle haben, dient die Zahl von 7 Unfällen von Lastenrädern mit Kindern (=0,01% aller Fahrradunfälle) als Basis. Von diesen 7 Unfällen waren gut 40% ein Alleinunfall. Das sind also genau 3 Unfälle, auf denen diese Aussage beruht. Das zur Einordnung, wie wenig seriös hier bei der UDV gearbeitet wird. Arne Behrensen schreibt dazu auf Linkedin:
Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) vergleicht Äpfel mit Birnen und stellt fest: "Lastenfahrräder sind in aller Regel für den Transport von Kindern nicht ausreichend geeignet." Die Logik dahinter: Die UDV kennt zwar keinen einzigen realen Fall eines schwerverletzten Kindes auf dem Lastenrad und stellt für Unfälle mit Kindern auf dem Kindersitz, im Anhänger und auf dem Lastenrad allgemein fest: "Radunfälle mit mitfahrenden Kindern [enden] meist vergleichsweise glimpflich" Weiter heißt es in der Präsentation der UDV: "Unfallgegner Nummer 1: Pkw" Doch wer will das schon hören? Also lieber mit einem inszenierten Crashtest Angst machen und pauschal das beliebte Lastenrad bashen! Das zieht immer und garantiert reißerische Headlines von Bild bis tagesschau.de.
Die größte Gefahr im Straßenverkehr für Kinder, ob im Lastenrad, auf dem eigenen Rad, zu Fuß oder als Passagier im Auto, geht unzweifelhaft von Autofahrern aus. Die allermeisten KFZ-Lenker sind zu schnell unterwegs, viele sind außerdem noch abgelenkt, weil sie mit einem Auge aufs Smartphone schielen. Wem es also um die Sicherheit von Kindern in und außerhalb von Lastenrädern geht, muss diejenigen adressieren, von denen die Gefahr ausgeht, nämlich die KFZ-Lenker.
Für die Sicherheit von Kindern in Lastenrädern fallen mir daher zuallererst die folgenden Maßnahmen ein: (1) Temporeduzierung in der Stadt auf 30 oder 20 km/h; (2) Wer ein tonnenschweres Gefährt lenkt, darf unter keinen Umständen sein Smartphone in die Hand nehmen; (3) regelmäßige Schulung und Gesundheitsprüfung von KFZ-Lenkern; (4) fehlerverzeihende Infrastruktur; (5) technische und andere Maßnahmen, um den vorgeschriebenen Seitenabstand beim Überholen von Radfahrenden (1,5m innerorts!) zu gewährleisten.
Denn den Helm, das Gurtsystem, die Warnweste, die Kabine, die gegen tonnenschwere KFZ standhält, gibt es nicht.
Zum Schluss noch eine Übersicht der kommenden Termine:
brandenburg.adfc.de
vcd-brandenburg.de
brandenburg.adfc.deViele Grüße,
Gero Walter (Sprecher der VCD-Kreisgruppe Brandenburg an der Havel)