Kreisgruppe Brandenburg / Havel
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Wir haben die Einrichtung sogenannter "Schutzstreifen" in der Bauhofstraße kritisiert und die Befürchtung geäußert, dass hier ein schwerer Unfall nur eine Frage der Zeit ist. Eine neue Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) stützt unsere Kritik.
Auf dem Verkehrsforum am 30.06.2020 (Bericht folgt) haben wir unsere Kritik an den “Schutzstreifen” in der Bauhofstraße erneut vorgebracht und uns mit Verbesserungsvorschlägen an Oberbürgermeister Herrn Scheller gewandt.
Eine neue Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) stützt unsere Kritik.
Nach dieser Studie sind gerade parkende Autos für Radfahrende ein größeres Sicherheitsrisiko als bisher bekannt und in der amtlichen Statistik sichtbar. Ein erhöhtes Unfallrisiko für Radfahrende zeigte sich für Radfahr- bzw. Schutzstreifen, neben denen geparkt wird. Durch Autoinsassen fahrlässig geöffnete Autotüren, sogenannte Dooring-Unfälle, stellen mit großem Abstand das Hauptproblem für Radfahrende dar. Aufgrund der Vielzahl entsprechender Unfälle empfiehlt die UDV eine verbindliche Markierung von Sicherheitstrennstreifen mit einer Breite von 0,75 m zum ruhenden Verkehr, sowohl bei Rad- als auch bei Schutzstreifen. Seitliche Abstände zu parkenden Fahrzeugen sind somit sicherzustellen, mit Sicherheitstrennstreifen zum Radverkehr auf der Fahrbahn.
Die UDV ist einer der größten Auftraggeber für universitäre und außeruniversitäre Forschung zur Verkehrssicherheit in Deutschland und besitzt in der Unfallforschung eine gewichtige Rolle. Die UDV bestätigt mit ihren Forschungsergebnissen die Anliegen des VCD und des ADFC und weist die Kommunen auf die Folgen einer Nichtbeachtung hin.
Ebenso weisen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes auf die Notwendigkeit von sicheren Radverkehrsführungen hin. Während die Zahl der Verkehrstoten im Jahr 2019 im Vergleich zu 2010 erfreulicherweise um 16,5 % gesunken ist, stieg hingegen die Zahl der getöteten Radfahrenden im gleichen Zeitraum um 16,8 %. Das Statistische Bundesamt begründet dies u.a. damit, dass immer mehr Menschen das Fahrrad für den Weg zur Arbeit und Ausbildung nutzen.
Wir fordern daher die Stadtverwaltung erneut dazu auf, endlich zu einer fahrradfreundlichen Verkehrsplanung zu finden und die mutwillige Gefährdung von Radfahrenden in der Bauhofstraße zu beenden. Als Gründungsmitglied der „Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen im Land Brandenburg“ hat sich die Stadt verpflichtet, das Fahrrad als gleichberechtigtes Verkehrsmittel zu etablieren, den Radverkehrsanteil am gesamten Verkehrsaufkommen zu erhöhen und die Sicherheit im Radverkehr zu steigern. Zur Erreichung dieser Ziele muss die Stadtverwaltung die Empfehlungen der Experten der UDV bei allen den Radverkehr in der Stadt Brandenburg betreffenden Vorhaben berücksichtigen.
Was eine fahrradfreundlichen Verkehrsplanung ausmacht und welche Vorteile diese für die Stadt, ihre Bewohner, Besucher und Gewerbetreibende bietet, ist in einer lesenswerten Broschüre der Dutch Cycling Embassy (Niederländische Fahrrad-Botschaft) zusammengefasst.
Wer mehr über die Fahrradinfrastruktur in den Niederlanden erfahren möchte, die sicheres und bequemes Radfahren für alle ermöglicht, dem möchte ich den Blog http://www.aviewfromthecyclepath.com/ ans Herz legen (auf Englisch). Guter Einstiegspunkt ist dieser Blogpost, der zentrale Gestaltungsprinzipien erläutert und erklärt, warum eine physische Trennung von schnellem Autoverkehr elementar ist, wenn man Radfahren für alle attraktiv und sicher machen möchte.