Kreisgruppe Brandenburg / Havel

Stellungnahme VCD zum Bedarf an Fahrradabstellanlagen in der Stadt

Herr Tober, Fahrradbeauftragter der Stadt Brandenburg, hatte ADFC und VCD kontaktiert zum Thema Fahrradabstellanlagen.

Die Stadtverwaltung bereitet eine Berichtsvorlage an die SVV vor, in der notwendige Ergänzungen von Abstellanlagen (ggf. mit Überdachung) vorgeschlagen werden. Herr Tober hatte uns im Dezember folgende Liste mit Standorten zugesandt, an denen aus seiner Sicht dringender Bedarf für zusätzliche Abstellanlagen besteht:

  • Archäologisches Landesmuseum Brandenburg
  • Bahnhof Görden
  • Georg-Klingenberg-Schule
  • Neustädtischer Markt / Molkenmarkt
  • Nicolaischule
  • Oberstufenzentrum Alfred Flakowski
  • Schule am Krugpark
  • Technologie- und Gründerzentrum
  • von Saldern-Gymnasium
  • Wilhelm-Busch-Schule

Eine Überdachung werde insbesondere für Standorte an Schulen empfohlen, für weitere Schulen werde der Bedarf noch ermittelt.

Herr Tober hat uns gebeten, unser Wissen einzubringen und ihm weitere notwendige Standorte, gern auch in einer Rangfolge, zu benennen. Folgende Antwort haben ich ihm im Nachgang zu den Diskussionen an unserem VCD-Stammtisch im Januar gesendet:

Sehr geehrter Herr Tober,

wir freuen uns sehr, dass Sie den VCD um Mitwirkung bei der Ermittlung von Standorten mit Bedarf an Fahrradabstellanlagen gebeten haben. Wir haben das Thema insbesondere auf unserem letzten VCD-Stammtisch diskutiert.

Generell sind Fahrradabstellanlagen an allen wichtigen Zielen in der Stadt notwendig. Überdachungen sind an den Zielen wichtig, an denen das Rad für eine längere Zeit abgestellt wird. Daher sind, wie von Ihnen angemerkt, überdachte Fahrradabstellanlagen an Schulen vorrangig; wir möchten anregen, hier auch Sporthallen und Sportplätze dazu zu zählen, sofern nicht schon eine ausreichend dimensionierte Fahrradabstellanlage einer benachbarten Schule genutzt werden kann.

In der Rangfolge gleich nach Schulen und Sportanlagen sind Fahrradabstellanlagen an Bahnhöfen sowie den Endhaltestellen von Bus- und Straßenbahnlinien notwendig, um eine einfache Verknüpfung von Rad und ÖPNV zu gewährleisten. Da das Rad üblicherweise auch hier lange abgestellt wird, ist eine Überdachung anzustreben.

Konkret besteht neben dem von Ihnen genannten Bahnhof Görden auch am Bahnhof Altstadt Bedarf. Früher war hier eine überdachte Abstellung unter der Brücke möglich, seit der Einzäunung des Bereichs und den aktuellen Entwicklungen ist das keine Option mehr, daher regen wir dort eine separate überdachte Fahrradabstellanlage an.

Die überdachte Abstellanlage am Brandenburger Hauptbahnhof ist am Rande ihrer Kapazität. Neben einer intensivierten Aussortierung von "Fahrradleichen" (z.B. zweimal jährlich) sollte eine Attraktivierung der vorhandenen Abstellanlage östlich des Bahnhofsgebäudes angegangen werden. Diese Abstellanlage ist nicht überdacht, zusätzlich ist der Weg von dort zu den Bahnsteigen deutlich länger. Durch die Abgelegenheit wird das Diebstahlsrisiko auch als deutlich höher empfunden. Die Anlage ist somit wenig attraktiv und wird entsprechend bisher auch kaum genutzt; eine Überdachung könnte zumindest einen Nachteil ausgleichen.

Zusätzlich zu den von Ihnen genannten Orten besteht aus unserer Sicht ebenfalls Bedarf an den folgenden Orten:

(1) Im Verlauf der Steinstraße sind zwar einzelne Fahrradbügel im Gehwegbereich vorhanden, diese werden nicht als solche wahrgenommen oder sind nicht an allen Zielen vorhanden. Fahrräder werden daher oft im Gehwegbereich abgestellt, der durch die Gastronomieflächen ohnehin schon sehr schmal ist. Der VCD regt an, einzelne PKW-Stellplätze durch die Installation von Fahrradbügeln umzuwidmen. Ein Großteil der PKW-Stellplätze in der Steinstraße war bisher ohnehin nicht für Einzelhandelskunden nutzbar, da er durch Anwohner belegt war. Eventuellen Sorgen der Einzelhändler*innen ist zu entgegnen, dass in Innenstadtlagen radfahrende Kunden in Summe mehr Umsatz generieren als Kunden, die mit dem PKW anreisen [1, 2], eine Umwandlung eines PKW-Stellplatzes in 6-8 Fahrradstellplätze also einer deutlichen Vergrößerung des Umsatzpotentials entspricht.

(2) In der Altstadt sind im Bereich von Einzelhandels-Zielen (Bäckerstraße, Ritterstraße) keine öffentlichen Fahrradabstellanlagen vorhanden. Der VCD regt daher an, auch in der Bäckerstraße einen oder mehrere PKW-Stellplätze mittels Fahrradbügeln umzuwidmen, und zwar zwischen Möbel Naumann und dem Radladen BIKEdog. Weitere Ziele in diesem Bereich sind die Bäckerei Rettig und das Bürgerhaus Altstadt. In der Ritterstraße gibt es weitere Ziele (u.a. Stadtmuseum, 2x Gastronomie, 1x Einzelhandel), hier ist im Bereich vor dem Altstadt Pub und der Baulücke ausreichend Platz für Fahrradbügel. Eventuell ist eine Kombination mit Maßnahmen zur Attraktivierung der Straßenbahnhaltestelle möglich.

(3) Am Ende der Steinstraße zum Neustädtischen Markt bildet das Haus Steinstraße Nr. 13 zur Steinstraße hin eine kurze Kolonnade (neben Coffee Corner). Hinter den Säulen wäre Platz für mehrere Fahrradbügel, die damit überdacht wären. Der Gehweg vor den Säulen ist breit genug, so dass keine Behinderung von Fußgängern auftritt.

(4) Zwischen der Jahrtausendbrücke und dem Spielplatz am Heinrich-Heine-Ufer war zur Zeit der BUGA wohl eine Abstellanlage; der VCD hält einen Wiederaufbau für sinnvoll, da auch der Uferbereich und der Spielplatz wichtige Ziele darstellen; der Spielplatz auf dem Packhofgelände ist ebenfalls rege besucht, hier könnten 1-2 Fahrradbügel das Anschließen von Fahrrädern ermöglichen.

Wichtig ist generell auch eine ausreichende Sichtbarkeit der Abstellanlagen. So ist die unterirdische Abstellanlage der Stadtverwaltung in der Klosterstraße eine großartige Sache, die aber leider kaum bekannt ist (eventuell prominenter ausschildern?). Wie gut gebaute und unterhaltene Radwege senden auch ausreichende und angemessene Fahrradabstellanlagen über ihren Nutzwert hinaus ein Signal an die Öffentlichkeit, dass man auch als Radfahrer*in bedacht und gewollt wird.

Zunehmend finden auch Lastenräder in unserer Stadt Verbreitung. Da herkömmliche Fahrradbügel zum Anschließen oft nicht genutzt werden können oder ein Lastenrad dabei mehrere Stellplätze blockieren würde, regt der VCD an, an größeren Fahrradabstellanlagen spezielle Lastenradparkplätze einzurichten. Um das Rad anschließen zu können, sind im Boden verankerte Ringe geeignet, z.B. [3].

Neben den Abstellanlagen an den Zielen dürfen aber auch die Fahrradabstell-Bedingungen an den "Quellen" nicht aus dem Fokus geraten: haben die Bürger*innen an ihrer Wohnung die Möglichkeit, ihr Fahrrad sicher und trocken abzustellen? Nicht jede*r hat eine Garage, und viele Kellertreppen sind zu steil, um das Rad für jede Fahrt aus dem Keller zu holen. Abstellanlagen in den Wohnvierteln sind wichtig [4, 5], auch hier darf die Konversion von PKW-Stellplätzen kein Tabu sein. Wie soll man Bürger*innen dazu motivieren, für Besorgungen in der Stadt das Rad zu nutzen, solange der eigene PKW abfahrbereit vor der Haustüre stehen darf, während das Rad erst mühsam aus dem Keller geholt werden muss?

In diesem Sinne freue ich mich auf weitere Aktivitäten der Stadt zur Verbesserung der Radverkehrsbedingungen!

Gero Walter
für die VCD-Kreisgruppe Brandenburg an der Havel

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