Kreisgruppe Brandenburg / Havel
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Die Stadt hat die Straßenbahn- und Bushaltestelle Fouquéstraße/THB barrierefrei ausgebaut und dafür die Magdeburger Straße im Kreuzungsbereich mit der Fouquèstraße komplett umgestaltet. Dabei hat sie die zuvor durchgehenden Radwege in der Magdeburger Straße unterbrochen.
In beiden Fahrtrichtungen endet der Radweg vor dem Haltestellenbereich, und Radfahrende müssen sich in den fließenden KFZ-Verkehr auf der Fahrbahn einfädeln. Wer hier im Zweifelsfall Vorfahrt hätte, ist aus der Gestaltung nicht ersichtlich. Wer bei einer Kollision den Kürzeren zieht, ist jedoch klar - und so gilt hier faktisch das Recht des Stärkeren, also des KFZ-Verkehrs, und Radfahrende haben das Nachsehen. Im Haltestellenbereich selbst ist die Fahrbahn dann so schmal, dass Radfahrende nicht überholt werden sollten - was nicht bedeutet, dass es KFZ-Fahrende nicht dennoch versuchen werden. Nach dem Haltestellenbereich gibt es eine Auffahrt auf den baulichen Radweg.
Wie schon in der Bauhofstraße missachtet die Stadtverwaltung die elementarsten Bedürfnisse des Radverkehrs. Die Einfädelung des Radverkehrs in den fließenden KFZ-Verkehr ohne irgendwelche Schutzmaßnahmen ist eine mutwillige Gefährdung von Radfahrenden. Auch hier befürchte ich, dass ein schwerer Unfall nur eine Frage der Zeit ist. Aufgrund von Baustellen und der Brückensperrung gibt es zur Zeit wenig KFZ-Verkehr in der Magdeburger Straße. Das wird sich aber irgendwann wieder ändern, und dann haben wir zwei Gefahrenstellen an einer Hauptverkehrsstraße, bei denen Gesundheit und Leben von Radfahrenden in der Hand von KFZ-Lenkern liegen.
Ein zuverlässiger Indikator für sichere und fahrradfreundliche Radverkehrsanlagen ist die Frage: "Würden Sie Ihr 10jähriges Kind hier alleine mit dem Rad fahren lassen?" Ist die Antwort "Nein", handelt es sich um keine sichere und fahrradfreundliche Radverkehrsanlage.
Weder ADFC noch VCD wurden über die Planungen informiert oder gar beteiligt. Jetzt ist das Kind ist in den Brunnen gefallen, es wurde viel Geld verbaut, ohne die Interessen von Radfahrer*innen zu berücksichtigen. Als einzige Lösung sehe ich eine radikale Verlangsamung des KFZ-Verkehrs im Haltestellenbereich durch Ausweisung eines Verkehrsberuhigten Bereichs. (Die angeordneten 30km/h sind meines Erachtens deutlich zu hoch angesetzt. Aufgrund der Haltestellensituation, des Mischverkehrs mit Radfahrenden und der Fahrbahnbreite sind 30km/h nicht angemessen.) Die Geschwindigkeitsbegrenzung muss mit einem Blitzer überwacht werden, da ein großer Teil der KFZ-Fahrenden routinemäßig zu schnell fährt.
Die offizielle Einweihung der Haltestelle findet am Montag, den 20.07. um 14 Uhr statt. Ich werde versuchen dort zu sein, um meinen Unmut zu äußern. Der barrierefreie Ausbau der ÖPNV-Haltestellen ist sehr zu begrüßen, aber das muss auch radverkehrsfreundlich gehen. Diese Stadt und ihre Menschen haben bessere Radverkehrsanlagen verdient.

