Kreisgruppe Cottbus/ProTramCottbus
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Bröckelt der Wasserstoff-Hype?

Mehrere Jahre lang wurde Wasserstoff weltweit als Wundermittel der Energiewende, als "Öl der Zukunft" hochgejubelt. Jetzt scheint Ernüchterung einzutreten.

Gegenüberstellung Plan - voraussichtliches Ist

Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) - Fortschreibung 2023:

  • 2023: 55 TWh grauer Wasserstoff
  • Bedarf Wasserstoff 2030: 95-130 TWh
  • Zuwachs 2023-2030: 40-95 TWh
  • Zuwachs Elektrolyseur-Kapazität 2023-2030: von 5 GW auf 10 GW
  • Import von Wasserstoff 2030: 45-90 TWh

IEA (International Energy Agency) “Global Hydrogen Review 2024”, Grafik 3.4, S. 67:

520 GW! Aber nur 20 GW davon gesichert! (Siehe Balken "Status")

Vermutete Reaktionen der Bundesregierung auf den vermutet verminderten Wasserstoff-Import:

  • Noch im August 2023 ging das Bundesministerium für Wirtschaft und Klima (BMWK) vom Neubau von H2-Ready-Kraftwerken bzw. der Umstellung bestehender Kraftwerke zu H2-Ready-Kraftwerken mit einer Gesamtkapazität von 23,8 GW bis 2035 aus (Kraftwerksstrategie 2023)
    Mit der Kraftwerksstrategie vom Februar dieses Jahres verringert sich dieser Wert auf 4x2,5 GW.
    ► Reduzierung um 50%!
    Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) beschreibt im Positionspapier „Einigung zur Kraftwerksstrategie“ vom März 2024, wie die durch die o.g. Reduzierung der Kraftwerkskapazität entstehende Energie-Lücke kompensiert werden könnte.
  • Auch der Stopp der Vergabe von Fördermitteln für Wasserstoffantriebe durch das BMDV vom Februar dieses Jahres zielt in diese Richtung.

Eine Fortschreibung der NWS ist zwingend erforderlich!

Wasserstoffeinsatz nur dort, wo keine alternative Technologie existiert!

  • Nutzung für: Stahlproduktion, chemische Industrie, als Speicher zur Überbrückung der Dunkelflauten…
    Fraglich bleibt trotzdem auch hier, ob damit die sogenannte „gesicherte Leistung“ (die Leistung, die in Deutschland zu allen Zeitpunkten im Netz verfügbar sein muss, lt. Prof. Schwarz, BTU, 2020: > 80 GW) über den Zeitraum einer Dunkelflaute abgesichert werden kann. Schließlich muss neben dem Einsatz für industrielle Zwecke der größte Teil der Elektroenergie während dieser Zeit durch Wasserstoffkraftwerke bereitgestellt werden, die aus gut gefüllten Wasserstoffspeichern betrieben werden müssen.
  • Keine Nutzung für den Nahverkehr
    Was wir vom VCD Cottbus bezüglich der Antriebssysteme im Nahverkehr seit Jahren in Frage stellen (siehe auch unsere Beiträge vom 24.02. und 23.05.24), beschreibt die Wissenschaftlerin Sabine Hossenfelder in der renommierten Zeitschrift „bild der wissenschaft“ (Ausgabe 09/2024) unter dem Titel „Wasserstoff ist keine Lösung“ auf breiterer Ebene, als Post auch erfahrbar unter
    https://hier.pro/hossenfelder_0924.
    Sie erweitert die von uns dargestellten Negativ-Aspekte der Wasserstoff-Nutzung im Nahverkehr (ineffizient, teuer, schwer handelbar, aufwendig in der Wartung) um einen weiteren Aspekt: Wasserstoff ist zu rar, um damit u.a. Busse zu betreiben.
  • Keine Nutzung zum Heizen. Statt dessen: PtH = Power to Heat!
    - Kette „Strom-Wasserstoff-Wärme:
      Wirkungsgrad Elektrolyseur: 60%,
      Wirkungsgrad der Wasserstoffverbrennung bestenfalls 80%,
      0,6x0,8= 0,48. Gesamtwirkungsgrad: 48%!
      Aus 1 kWh Strom werden 0,48 kWh Wärme!
    - Direkte Erwärmung von Wasser mit Strom:
      Wirkungsgrad fast 100%!
  • …..

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