Brandenburg

Pop-up-Bike-Lanes und co

Krise als Chance: so kommt die Verkehrswende voran

In Corona-Zeiten fahren nicht nur weniger Autos, sondern auch deutlich mehr Fahrräder durch die Stadt. Menschen, die lange nicht auf´s Rad gestiegen sind, weil es ihnen zu unsicher war, entdecken das Fahrrad jetzt neu und auch die Politik erkennt langsam, dass das Rad die krisenfesteste Alternative für Kurzstrecken ist. Die Brandenburger Kommunen können dabei noch einiges von ihren Nachbarn lernen.

Pop-up-Bike-Lanes in Berlin

Was als Teststrecke angefangen hat, ist in Berlin jetzt zum Erfolgsmodell geworden: temporäre Radwege, sogenannte Pop-up-Bike-Lanes, mit ausreichend Platz und einem Plus an Sicherheit. Die Verkehrsverwaltung von Regine Günther (Grüne) hat schnell gehandelt und den Berliner Bezirken einen Leitfaden an die Hand gegeben: „Regelpläne zur temporären Einrichtung und Erweiterung von Radverkehrsanlagen“. Mit Erfolg. Laut rbb24 gibt es davon bereits fast zehn Kilometer in Berlin. Weiter 10,5 Kilometer sind in Arbeit. Und das Gute daran: die temporären Radwege sollen in dauerhafte Radwege umgewandelt werden, da vor allem Strecken markiert wurden, für die ohnehin Maßnahmen geplant waren. So bringt die Krise, die Fahrradförderung in Berlin sinnvoll und schneller ans Ziel.

Pop-up-Bike-Lanes in Bogotá

Auch die Bürgermeisterin von Bogotá Claudia López hat schnell gehandelt und kurzfristig bis zum 17. März 22 km temporäre Fahrradwege eröffnet. Insgesamt sind 76km geplant, um den öffentlichen Verkehr zu entlasten, die Ausbreitung des Virus zu verringern und die Luftqualität zu verbessern. Damit ergänzt Bogota sein bestehendes Fahrradnetz von rund 550 km.

Mehr zur Fahrradförderung als Corona-Schutzmaßnahme aus SmartCitiesWorld.

Frankreich: Fahrradreparaturgutscheine + mehr

Laut LeParisien vom 29. April stellt die französische Umweltministerin Élisabeth Borne ein 20-Millionen-Euro-Programm zur Verfügung, mit dem sie den Radverkehr in Frankreich ankurbeln will. Darin enthalten sind auch Reparaturgutscheine im Wert von 50 Euro pro Rad, um alte Räder auf die Straße zu bringen.

Brüssel: komplette Innenstadt wird zur Begegnungszone

In Belgien hat das Prinzip Shared Space / Begegnungszone eine viel größere Bedeutung und Akzeptanz. Da die Gehwege der Innenstadt zu schmal sind, um den Sicherheitsabstand zu gewährleisten, hat Brüssel sich entschlossen ab dem 4. Mai die gesamte Innenstadt mit 460 Hektar als Begegnungszone auszuweisen, das Tempo auf 20 km/h zu reduzieren und die Straßen für den Rad- und Fußverkehr zu öffnen. Für Anfang 2021 hatte sich Brüssel ohnehin vorgenommen den Autoverkehr drastisch zu reduzieren und die Innenstadt flächendeckend zur 30er-Zone zu machen – ausgenommen die Hauptverkehrsadern. Vielleicht wird jetzt gleich eine dauerhafte Begegnungszone daraus.(Quelle: TechAndNature)

Temporäre Spielstraßen

Damit Parks und Spielplätze entlastet werden und alle die Abstandsregeln einhalten können, sind gerade jetzt temporäre Spielstraßen eine gute Sache, um Kindern das draußen-Spielen zu ermöglichen. Das Konzept hat sich schon lange vor Corona bewährt. so können Anwohner*innen im Hessischen Griesheim seit 2002 die Ausweisung von Straßenabschnitte beantragen und die “Spielstraßen auf Zeit” damit Montags bis Freitags zwischen 13:00 und 18 Uhr für Autos sperren lassen. 

Auch in Berlin gibt es diese Instrument schon seit einiger Zeit. Nun wird die Ausweisung gezielt genutzt,  um in Corona-Zeiten mehr Spielraum zu schaffen. So sind momentan in Friedrichshain-Kreuzberg sonn- und feiertags von 12 bis 18 Uhr Straßen für den Verkehr gesperrt. Auch in Pankow und Neukölln werden temporäre Spielstraßen eingerichtet.
Mehr zum Thema temporäre Spielstraßen siehe auch: http://spielstrassen.de/ und https://www.dkhw.de/schwerpunkte/spiel-und-bewegung/politische-arbeit/temporaere-spielstrassen/