Brandenburg

Tramverkehr, Bahn & Bus, Brandenburg

Personalnot bremst Straßenbahnen aus

Personalengpässe sorgten in den letzten Monaten immer wieder zu Einschränkungen des Straßenbahnverkehrs in Potsdam. Auch in anderen Städten und Gemeinden in Brandenburg haben Verkehrsbetriebe zunehmend Probleme, ausreichend Fahrpersonal einzustellen. Dabei wird deutlich, dass die nötige Verkehrswende auch eine soziale Dimension hat.

Dass Personalengpässe den Straßenbahnverkehr einschränken, konnte in den vergangenen Wochen gleich mehrfach in den Medien verfolgt werden. Den Höhepunkt bildete die zeitweilige Einstellung der Tramlinie 99 in Potsdam zwischen den Haltestellen „Platz der Einheit“ und „Babelsberg, Fontanestraße“. In den letzten Wochen waren auch noch weitere Linien in der Landeshauptstadt von Einschränkungen betroffen. Mitte Juni wurde der gesamte Fahrbetrieb vorzeitig auf den Sommerferienfahrplan umgestellt. Damit entfallen rund sieben Prozent aller Regelfahrten. Hintergrund der Probleme bei den Potsdamer Verkehrsbetrieben (ViP GmbH) ist offenbar ein anhaltend hoher Krankenstand und unbesetzte Stellen beim Fahrpersonal.

Wenig attraktive Gehälter und Arbeitsbedingungen (mit Schichtdienst, Nacht- und Wochenendarbeit etc.) machen den öffentlichen Nahverkehr nicht zur ersten Adresse für Berufseinsteiger*innen. Und um die wenigen Interessierten werben dann gleich mehrere Verkehrsunternehmen in der Region. So steht die ViP GmbH in ständiger Konkurrenz zur Berliner BVG, die mehr Geld und ein größeres Liniennetz zu bieten hat. Doch selbst dort klagen Beschäftigte über zunehmende Arbeitsbelastungen durch fehlende Kolleg*innen.

Kleinere Betriebe wie die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn (SRS) GmbH kämpfen erst recht mit dünnen Personaldecken, welche die Aufrechterhaltung des Regelbetriebes mit jedem Krankheitsfall und jedem Urlaubsbeginn zur Zitterpartie werden lassen. Das von der SRS etablierte und auch in anderen Brandenburger Verkehrsunternehmen genutzte Gastfahrermodell mit Minijobber*innen kann die Personaldefizite immer weniger auffangen, zumal die Aushilfseinsätze selbst wenig attraktiv sind, wenn die Beschäftigten lediglich den gesetzlichen Mindestlohn bekommen und es keinerlei Zuschläge für Nacht- und Feiertagsdienste gibt.

Das macht eine zentrale Herausforderung der Verkehrspolitik deutlich: Die aus ökologischen Gründen dringend nötige Verkehrswende stößt dort an ihre Grenzen, wo sie soziale Aspekte außer Acht lässt – wie die Arbeitsbedingungen und Gehälter der Beschäftigten. Nur wenn das Fahr- und Werkstattpersonal gute Löhne und faire Arbeitsbedingungen vorfindet wird es gelingen, genug Menschen für diese Berufe zu gewinnen. Das ist unerlässlich, wenn ein dauerhafter Betrieb des ÖPNV-Angebotes gewährleistet werden soll. Und erst recht, um dieses Angebot auszubauen!

Der VCD Brandenburg fordert deshalb: Gute Arbeit muss ein festes Kriterium für die ÖPNV-Finanzierung des Landes sein. Sowohl bei der Basisfinanzierung des ÖPNV, als auch bei Förderprogrammen müssen Beschäftigungsaspekte Berücksichtigung finden. Die Brandenburger Verkehrsunternehmen müssen ihrem Personal gute Löhne und faire Arbeitsbedingungen bieten, um ihren Betrieb dauerhaft zu sichern. Dazu zählen Anforderungen an zeitgemäße Arbeitsmodelle wie Teilzeitarbeit, Sabbatjahre und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

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